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28. Februar 2014 / AugenZeugeKunst

Salonkultur – Der erste Kunstsalon bei Susanne Haun

Zur Einführung diskutierten wir in den schönen Räumen von Susanne Haun das Thema: „Was war und ist Salonkultur?“

Zur historischen Entwicklung der Salonkultur hatte ich einen kurzen Vortrag ausgearbeitet, hier eine Zusammenfassung:

Die Vorläufer der frühneuzeitlichen Salons kann man in den Musenhöfen in Italien, bei Isabella d’Este Anfang 16. Jh. oder des Kaisers Friedrich II. (Anfang 13. Jh.) sehen. Sie haben Intellektuelle und Künstler zusammen gebracht und deren Austausch gefördert.

Diese Vorformen dienten überwiegend der Repräsentation der Macht. Die eigentliche Salonkultur entwickelte sich ab 1600 in Italien und dann auch in Frankreich.

Mit Heinrich IV. (reg. 1589–1610) begann der Aufbau des Absolutismus, als zivilisatorischen Gegenbewegung nach den Verrohungen der Hugenottenkriege. Die Aristokratie zog aus ihren ländlichen Herrschaftsdomänen in den Bannkreis des Königs, nach Paris. Das förderte dort die Entstehung schöngeistiger Zirkel, die sich als Ausdruck der neuen Geselligkeitskultur verstanden. In Paris entstanden zahlreiche Adelspalais und verwandelten sich im Austausch mit bürgerlichen Lebensformen zum Salon oder zur intimeren ruelle („Kämmerlein“). Der Salon diente hier dem freien Ideenaustausch, ungeachtet der Schranken von Klasse und Geschlecht, und förderte die Aufklärung. Philosophen wie Voltaire, Rousseau oder Diderot verkehrten in den Pariser Salons und bereiteten dort den Boden für die Französische Revolution.

In Deutschland kam der Salon erst im 18. Jh. als Ort bürgerlicher Geselligkeit in Mode, ursprünglich in Imitation der Hofsitten. Berühmt wurden die Salons der Frühromantik, zum Beispiel der Jenaer Salon der Caroline Schelling und der Berliner Salon der Rahel Varnhagen.

Die in Berlin entstanden Salons waren primär nicht politisch engagiert, sondern eher künstlerisch oder literarisch und wurden auch zumeist von Frauen initiiert. Sie waren Begegnungsstätten von Adel, Großbürgertum, Intellektuellen und vor allem auch jüdischen Bürgern. Salons, wie der von Rahel Varnhagen, trugen zur gesellschaftlichen Stärkung auch ihrer weiblichen Gäste bei, indem sie ihnen eine einzigartige Gelegenheit boten, sich mit den herausragendsten Autoren, Denkern und Musikern der damaligen Zeit auszutauschen, darunter Friedrich Schlegel, Bettina von Arnim, Clemens Brentano, Friedrich Hegel, Heinrich Heine, Ludwig von Tieck und Felix Mendelssohn-Bartholdy. Bettina von Arnim führte später ihren eigenen Salon – ein Kapitel für sich.

Der erste explizite Kunstsalon etablierte sich erst ab 1886 mit dem traditionsbewussten Salon von Eduard Schulte. Dazu muss man wissen, dass ein nennenswerter Kunsthandel in Berlin erst ab 1850 aufkam. Zu den frühen Besuchern der Galerie Schulte zählten Theodor Fontane, Paula Modersohn-Becker und  Christian Morgenstern. Das Unternehmen war das erste seiner Art in Berlin, das Elektrizität einsetzte. Schulte versammelte Arbeiten von Rodin, Gauguin, Picasso und Toulouse-Lautrec, aber auch von Jelka Rosen, Ida Gerhardi, Christian Rohlfs, Käthe Kollwitz.

Legendär ist auch der Kunstsalon von Cassierer, der Vorreiter in der Vermittlung der internationalen Moderne war und auch damals noch unbekannte Maler wie Van Gogh ausstellte. Sein Salon setzte kulturpolitische Diskussion in Gang, die ihr lebhaftes Echo in der Berliner Tagespresse fanden.

Mein Vortrag endete mit den Fragen: Wo findet sich der Salongedanke heutzutage noch? Was kann uns das alte Medium heute noch bringen? Inwieweit übernehmen Internetforen und -blogs diese Funktion? Was ermöglicht face to face Kommunikation, was im Internet nicht geht (zusätzlich)?

Wir führten sehr konstruktive Gespräche bis tief in die Nacht und planten den zweiten Salon, der unter dem Arbeitstitel “Das Ich” sattfinden wird. Anwesend waren unter anderem Vertreter der bolgs writeaboutsomething, gretaunddasleben, wortmeer und BUCHALOVS BLOG.

Susanne hatte Schmalzstullen und Schokoladenkuchen für uns aufgetischt – hmmm lecker!

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16 Kommentare

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  1. uNTERWEGSiNsACHENkUNST / Feb 28 2014 20:10

    Ach wie herrlich! Das klingt nach einer Renaissance der Salon-Kultur. Wäre doch schön; denn so ein Gedankenaustausch vis-à-vis ist doch weitaus mehr, als die bloße Kommunikation über Blogs. Viele Grüße, Daniela

    • AugenZeugeKunst / Mrz 1 2014 1:16

      Liebe Daniela, das war auch das Fazit unserer Salonrunde. Wir haben uns alle zu lange in der Anonymität des Internets herumgetrieben und wollen uns auch direkt austauschen. Konstruktive Kritik zum Beispiel wurde im Netz vermisst und ein unmissverständlicher Austausch der Gedanken. Und was ist schon Kommunikation ohne Gestik 😉
      Herzliche Grüße von Anna

      • uNTERWEGSiNsACHENkUNST / Mrz 1 2014 14:46

        das ist schön zu lesen liebe Anna, ich wäre gern dabei gewesen, um ein wenig Salonluft zu schnuppern… Herzliche Grüße, Daniela

      • AugenZeugeKunst / Mrz 1 2014 16:40

        Liebe Daniela, sehr gern lade ich zu dich zum nächsten Kunstsammlung ein. kannst du mir irgendwie deine E-Mail-Adresse zukommen lassen? Dann nehme ich dich mit in den Verteiler. Ein schönes Wochenende wünscht dir Anna

      • uNTERWEGSiNsACHENkUNST / Mrz 18 2014 21:49

        Sehr gerne liebe Anna – ich meld‘ mich demnächst per Email bei Dir. Herzlich grüßt, Daniela

      • AugenZeugeKunst / Apr 11 2014 10:14

        Liebe Daniela, ich weiß jetzt gar nicht mehr worum es eigentlich ging. Gibst du mir einen Tipp? Eine E-Mail ist noch nicht bei mir angekommen. Herzliche Grüße von Anna

  2. Susanne Haun / Mrz 1 2014 6:07

    Liebe Anna, eine schöne Zusammenfassung und ich freue mich über deine Fotos von meinen „Designerlampen“.
    Ich werde ein Update auf meinen Blogbeitrag mit dem Link zu deinen Beitrag setzen.
    Ein schönes WE von Susanne

  3. Armin / Mrz 3 2014 9:32

    Schöne Idee!

    • AugenZeugeKunst / Mrz 4 2014 12:47

      Hallo Armin, ich finde die Idee auch sehr schön und freue mich schon auf den nächsten Salon zum Thema „Das Ich“. Auf das Thema sind wir durch die Diskussion gekommen. Es geht im Identität im Netz. Der Vorteil eines Salons besteht ja eindeutig darin, dass man sich gegenüber sitzt und Vertrauen aufbauen kann. Das klappt im Netz nicht so einfach und deshalb versteckt sich so mancher hinter einem Pseudonym oder zeigt ungern Gesicht. Darum soll es beim nächsten Mal gehen. Vielleicht bist du zufällig am 13. Mai in Berlin? Liebe Grüße von Anna

  4. metropolkultur / Mrz 8 2014 17:59

    Hallo, liebe Blogger-Kollegin,

    hier die Einladung, an einem alten Blogger-Brauch teilnzunehmen…

    http://metropolkultur.com/2014/03/08/stockchen-gefangen-strumpf-fotografiert-krawatten-gezahlt/

    Muss aber nicht sein, wenn es an Zeit oder Lust fehlen sollte.

    Herzliche Grüße aus Berlin,
    Harald Baumer

    • AugenZeugeKunst / Mrz 8 2014 22:16

      Hallo Harald, danke für die Einladung!
      Habe ich das Verfahren richtig verstanden? Ich beantworte deine Fragen, aber veröffentliche diese dann auf meinem blog (natürlich mit Link zu deinem)?
      Dann müsste ich noch wissen, woher ich die kleine Grafik bekomme, die ich gerne einbinde. Herzliche Grüße auch aus Berlin und noch einen schönen Samstag Abend wünscht Anna-Maria

      • metropolkultur / Mrz 8 2014 22:31

        Hallo Anna-Maria,

        alles richtig verstanden! Die Grafik müsste eigentlich über die Kopieren-Funktion verwendbar sein. So habe ich es zumindest bei meinem Vorbild gemacht.

        Schönen Sonntag! Harald

      • AugenZeugeKunst / Apr 11 2014 10:16

        Lieber Harald, es tut mir schrecklich leid, aber ich habe es dann doch nicht geschafft. Hatte einfach zu viel um die Ohren. Jetzt ist es sicher zu spät. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg und hoffe zu einem anderen blog Event die Möglichkeit zu haben, interaktiv zu werden 🙂
        Ein schönes Wochenende wünscht dir Anna

  5. AugenZeugeKunst / Mrz 1 2014 13:02

    Liebe Susanne, deine Designerlampen müssen unbedingt so bleiben. Mir gefallen sie ausgezeichnet!
    Ich habe den Link zu deinem super Artikel in deinem Namen versteckt. Da klickt wieder keiner drauf, was?! Also für alle hier der Link: http://susannehaun.com/2014/02/26/der-salon-ergebnisse-bericht-von-susanne-haun/
    Das müsst ihr euch unbedingt anschauen!
    Ich wünsche dir ein wunderbares Wochenende. Herzliche Grüße von Anna

  6. AugenZeugeKunst / Mrz 4 2014 12:48

    Danke für den Link, Ssanne, ich freue mich schon auf den nächsten Salon!

Trackbacks

  1. Der Salon – Ergebnisse – Bericht von Susanne Haun | Susanne Haun

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